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Ein Bericht von Gabi Lipfert

Die 24h Stunden von Bernau sind für unsere Laufgruppe Borussia - Friedrichsfelde bereits Tradition. Dieses Jahr war es das 4. Mal, dass wir mit einer Staffel an dieser wunderbaren Laufveranstaltung teilnahmen. Außerdem hatten wir dieses Jahr auch drei Einzelstarter. Ich wollte es dieses Jahr mal versuchen alleine die 24h zu meistern und Katrin Bromber und Udo Bauermeister gingen über die 6h an den Start.

Die 24h von Bernau finden im Stadtpark in Bernau von Sonnabend 14.00 Uhr bis Sonntag 14.00 Uhr statt. Bereits am Freitag reisen die ersten Mannschaften und Starter an, um entlang der Laufstrecke ihre Zelte aufzubauen. Um auch für unsere Mannschaft einen schönen Platz zu ergattern, fuhr ich am Freitagnachmittag nach Bernau und steckte mit Flatterband das gewünschte Stück Wiese ab und hisste unsere Vereinsfahne. Es war schon mächtig viel Betrieb hier und ich kam auch mit einigen Läufern ins Gespräch. Die Vorfreude auf das morgige Ereignis wurde in mir geweckt. Am liebsten wäre ich gleich da geblieben.

Am Sonnabend 10.00 Uhr war ich dann, zusammen mit meiner Tochter Katrin, die mit in unserer Staffel lief und Katrin Bromber wieder vor Ort. Jochen und Jürgen, hatten bereits unsere Pavillons aufgebaut. Nach und nach trafen dann die restlichen Läufer unserer Mannschaft ein. Schnell war unser Zeltlager komplett errichtet und im Pavillon stapelte sich die Verpflegung. Salate, Bouletten, Würstchen, leckerer Kuchen und weitere kulinarische Spezialitäten würden die 24 h zu einem „Genuss- Camping- Wochenende“ mit zwischenzeitlichen Laufen machen.

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Zu unserer 10ér Mix-Staffel (5 Frauen + 5 Männer) gehörten: Birgit Mohr, Bärbel Fischer, Doreen Körber, Katrin Lipfert, Claudia Stephan, Jürgen Hornig, Bert Hofmann, Jan Meghari, Armin Ehrhardt und Ingo Zimmermann.

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Pünktlich um 14.00 Uhr fiel dann der Startschuss. Die Startläufer der Staffeln sprinteten sofort los, während die Einzelläufer eher gemütlich auf die 1,6 km lange Runde gingen.

Für mich war es mein erster 24h-Lauf als Einzelläufer. Ich hatte kein konkretes Ziel, wollte einfach nur die tolle Atmosphäre genießen und zu der Gemeinschaft der gestandenen Ultraläufer dazugehören. Meine eigentlichen Saisonhöhepunkte hatte ich ja bereits mit dem Radebeuler Treppenmarathon im April und dem Swiss alpine über die K78 im Juli. So hatte ich mich auch nicht speziell auf einen 24h-Lauf vorbereitet. Dachte mir aber, da ich im letzten Jahr in Biel 100 km gelaufen bin, so 120 km ++ laufen zu können. Somit war mein erstes Nahziel 100 km, die ich hoffte bis ca. 04.00 morgens zu schaffen.

Der 1,6 km lange Rundkurs ist wunderschön aber auch anspruchsvoll. Vorbei an der Stadtmauer, um einen Teich, rauf und entlang eines Burgwalls mit rechts und links Wasser und nicht zuletzt um das „Zeltlager“ der Teilnehmer herum, wo immer tolle Stimmung herrschte und man lauthals angefeuert und beklatscht wurde. So zog ich im Wohlfühltempo meine Runden, während die Staffelläufer an mir und den anderen Einzelläufern vorbeistürmten. Besonders schön war es, wenn meine Mannschaftskameraden aus der Vereinstaffel mich überholten. Ich freute mich darüber, dass sie viel Spaß an diesen Laufevent hatten. Klasse war auch der Moderator der Laufveranstaltung Ecki Broy. Bei jedem Durchlauf der Start/Ziellinie begrüßte er einen persönlich und gab Informationen zu jedem Läufer. Außerdem motivierte er einen immer wieder zum Weiterlaufen.

Wichtig bei so langen Läufen ist, dass man ständig ausreichend Energie IMG_1700zuführt. Ich regele das vor allem durch Koffeinenergiegels von Sponsor, auf die ich seit Biel schwöre. Die positive Wirkung kann ich bei mir richtig verfolgen. Das Problem bei diesen Dingern ist nur, dass sie mir im Laufe der Zeit zum Halse raus hängen und mir bei der Einnahme übel wird. So musste ich mich während des Laufes 2x übergeben. Natürlich wurde vom Veranstalter für die Einzelläufer auch Verpflegung gestellt. Diese war hervorragend. Es gab Obst, Trockenfrüchte, Schnittchen, Kuchen, Schokolade, Waffeln, Brühe…. Die Damen am Versorgungshäuschen waren auch sehr freundlich und ständig bemüht alle Wünsche zu erfüllen. Ein herzliches Dankeschön dafür !!  Mein Problem war jedoch, dass ich von der festen Nahrung nicht viel herunter bekam, so dass ich mich meistens nur auf ein kleines Schnittchen oder ein Stückchen Schokolade beschränkte.

Um 20.00 Uhr beenden die 6h-Läufer ihren Wettkampf. Katrin Bromber war in ihrem ersten 6h- Lauf knapp 58 km gelaufen und belegte damit Platz 2 in der Gesamtwertung der Frauen und Platz 1 in der Altersklasse. Bei Udo traten leider gesundheitliche Probleme auf, so dass er sich zurücknehmen musste. Er gab jedoch nicht vorzeitig auf.

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Während unsere Staffel Runde für Runde Platz 4 verteidigte, kämpfte ich in der Nacht immer mehr mit der Müdigkeit und Motivation. Ich hatte immer mehr den Wunsch mich hinzulegen und etwas zu schlafen. Jedoch die Angst davor, dann nicht wieder loslaufen zu können, war zu groß. Außerdem wollte ich erstmal
100 km im Kasten haben. Dann würde ich Pause machen, evtl. auch etwas ruhen…

Leider brauchte ich für die 100km viel länger als erwartet. Es war bereits 06.30 Uhr. Ja, und das Rennen würde noch 7 ½ h dauern und ich könnte nichts dagegen tun, es nicht beschleunigen…. Wie geplant gönnte ich mir erst mal eine Dusche, bepflasterte meine wundgelaufenen Innenschenkel und zog trockene Sachen an. Dann lief ich weiter aber die Lustlosigkeit ergriff mich immer mehr. Ich wollte, dass die Zeit vergeht. Der Gedanke, ein paar Stunden schlafen und dann zum Ende noch mal ein paar Runden zu laufen beschäftigte mich immer stärker. Als ich ihn jedoch umsetzen wollte, hielt ich es gerade mal eine halbe Stunde auf dem Schlafsessel aus. Das war irgendwie doch gegen meine Ehre und Vorstellung von einem 24h-Lauf. So lief ich weiter mit dem nächsten Ziel - „120 km.“ Wobei, gelaufen bin ich die letzten Runden nur für die „Galerie“, also durchs Zeltlager wo man mich sah und anfeuerte. Außerhalb, wo es einsam und verlassen war, bin ich entspannt gegangen, wie viele andere auch. In den letzten Stunden war es besonders schön, wenn man mit anderen Einzelläufern ins Gespräch kam, das lenkte davon ab, über die noch zu laufende Zeit nachzudenken. So versuchte Detlev Abel, den ich bereits von einigen anderen langen Läufen kenne, mich damit zu motivieren doch 126 km anzupeilen, das wäre ein Dreifach-Marathon und damit ein schönes Ziel. Diese Vorstellung beflügelte mich aber überhaupt nicht. Ob 120 km oder 126 km eigentlich egal! Ich stellte mir die Frage, ja was ist eigentlich mein Ziel, was wollte ich? Gerade das ist wohl mein Problem, ich hatte mir, außer dabei zu sein und die Atmosphäre zu genießen, kein abrechenbares Ziel gesetzt. Damit trieb mich nichts. So verfolgte ich eher den Gedanken, doch bis kurz vor Schluss einfach ein paar Runden auszusetzen. Als ich mich dann jedoch mal mit dem Runden-Zwischenstand beschäftigte und sah, dass ich nach wie vor auf Platz 4 lag und die nachfolgenden Frauen in der gleichen Runde wie ich waren, keimte in mir doch wieder der Ehrgeiz auf. Das wäre ja jetzt richtig blöd in den letzten Runden diesen Platz noch zu verlieren. Also lief ich, nun von der Angst getrieben noch überholt zu werden, weiter. Dann kam die letzte Runde. Es war 13.50 Uhr. Ich wusste, 1x herum würde ich es nicht mehr schaffen. Was sollte ich tun, nach der Ziellinie auf das Ende warten oder weiterlaufen? Umso weiter ich laufen würde, umso länger müsste ich dann auf die Auslesung der letzten Meter warten. Ja und was macht die hinter mir liegende Frau, wie weit ist sie weg? Letztendlich gab dann aber die Vorstellung 130 km voll zu machen den Ausschlag. Ich stürmte nun im wahrsten Sinne des Wortes weiter und nahm mir vor, möglichst eine schöne Stelle, wo vielleicht eine Bank ist auf der ich dann auf die Ausmessung warten könnte, zu erreichen. Dann stellte ich mal wieder fest, wie lang 2 Minuten sein können. Bestimmt 3x guckte ich auf die Uhr und es war immer noch 13.58 Uhr. Den eigentlichen „Abschuss“ hatte ich dann gar nicht gehört. Plötzlich läuteten die Kirchturmglocken und die vor mir liegenden Läufer standen. Geschafft! Ich lief ein paar Meter zurück und setzte mich auf einen Stein um auf die Ausmessung zu warten. Nach einiger Zeit kamen alle meine Mannschaftskameraden und mein Mann um mich zu beglückwünschen. Wir machten ein Gruppenfoto und erwarteten gemeinsam das Fahrrad mit dem Kampfrichter, der die letzten Meter ausmisst.

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Die 24 Stunden von Bernau sind geschafft. Es war wieder eine super durchorganisierte Laufveranstaltung mit toller Atmosphäre und Stimmung. Unsere 10ér Mix-Staffel hat wie im letzten Jahr den 4. Platz belegt aber mit noch einer besseren Leistung. Sie haben 291 km zurückgelegt. Das sind 10 km mehr als im letzten Jahr.

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Ich selber habe gute 130 km geschafft, eine Strecke die ich noch nie im Stück gelaufen bin. Ich freue mich darüber, bin aber nicht so euphorisch glücklich, etwas „Großes“ geschafft zu haben, wie ich es z.B. nach Biel, dem Radebeuler Treppenmarathon oder dem Swiss alpine war. Den 24h- Lauf habe ich mental verloren! Ich kann mir vorstellen, wieder mal 130 km oder sogar mehr zu laufen aber nur über eine klar definierte Strecke von A nach B. Da könnte ich mich mental ganz anders motivieren. Ein greifbares, anfassbares Ziel, dass es zu erlaufen gilt, zieht für mich ungemein. Ich bin davon überzeugt, wenn es ein 130 km-Lauf von A nach B gewesen wäre, hätte ich diese Distanz wohlmöglich in 20h geschafft.

Deshalb werde ich wahrscheinlich einen 24h –Lauf nur noch in der Staffel laufen.

In diesem Sinne: „Auf Wiedersehen zum 24 Stunden- Lauf von Bernau 2012!“