Blue Flower

13.11.2011 - von Marathon nach Athen

ein Bericht von Birgit Mohr

 Das war mein 4. Marathon und ein richtig guter Abschluss dieses für mich schwierigen Jahres. 

 Es war auch meine erste Laufreise, mein erster Lauf nicht in Deutschland – und es lief von der Organisation bis zum Lauf richtig gut. Insgesamt waren „nur“ sechs Marathonläufer in der Gruppe, drei Frauen und drei Männer, alles gestandene Läufer – ich die Unerfahrene. Aber es war ein tolles Team, dazu ein 10-km-Läufer, der zurzeit als Schwimmer Erfolge feiert und eine „bekennende Nichtläuferin“. Diese eine Superfrau, sie passte hervorragend zu uns und war ein richtig guter Ausgleich zu den Laufköpfen. Wir verstanden uns auf Anhieb. Insge-samt also eine Gruppe hochinteressanter Menschen, eine Freude und Bereicherung für mich, sie kennen gelernt zu haben.

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Am Freitag flogen wir nach Athen, am Samstag hatten wir Zeit und sind – jeder wie er wollte – durch Athen gewuselt. Das Wetter war gar nicht Athenisch - kalt, windig, so richtig ungemütlich. Auf der Akropolis hat es mich zweimal fast umgewedelt. Die Stadt war sauber, eigentlich sauberer als Berlin, Unruhen nicht spürbar und die Menschen vor, während und nach dem Lauf sympathisch, lieb und fürsorglich. Herzlichen Dank nach Griechenland!

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Ich war total aufgeregt, denn ich konnte das ganze Jahr nicht optimal trainieren und die Bestzeiten der anderen Läufer/Innen bauten mich auch nicht gerade auf. Nur eine Frau war älter als ich und auch sie war schon schneller gelaufen. Aber Detlef aus Werder, selber Trainer bei seinem 54. Marathon, lächelte mich an uns sagte: „ Laufen aus Freude, kein Druck, egal wie lange Du brauchst, genieß es, Du schaffst das.“ Und so also ging es los. Eine gut organisierte Fahrt nach Marathon, die Busse warteten in Reihe, keine Hektik, saubere Einweisung pro Bus – super. Die Fahrt dauerte irgendwie ganz schön lange und jedes Mal, wenn wir hinaus schauten, ging es bergab. Uff, das mussten wir alles wieder hoch. Ich hatte mir das Profil bewusst nicht angesehen, erst einen Tag vor dem Lauf und es geht da reichlich hoch. So ungefähr 20 der 42 km. Und von km 20 bis km 31 ununterbrochen. Längst aber hatte ich mich in mein Schicksal ergeben – ich war ja selber schuld und eigentlich total gespannt und in Vorfreude auf den Lauf.

 

In Marathon war es noch ungemütlicher, sehr windig, kalt, kalt, kalt. Der Start war in Blocks aufgeteilt, gut organisiert mit leicht verzögerten Startzeiten – also kein fürchterliches Gedränge. Ich lief los und musste mich erst einmal aus dem gefrorenen Zustand auf Laufniveau bringen. Das dauerte eine Weile. Aber ich war da wohl besser organisiert als manch andere Läufer/Innen. Schon ab km 15 sah ich welche am Straßenrand an ihren Beinen herumzerren, um sich irgendwie wieder zu entkrampfen. Und das ging die ganze Zeit so. Aber die Strecke ist am Anfang auch nicht so wirklich gerade, es geht rauf und rauf und runter. Wer da bei gefühlten 5 bis 10 °C nicht aufgewärmt ist, zerrt dann eben an sich rum. Ich habe nicht gezerrt – nein, ich bin gelaufen. Ich fühlte mich total wohl und habe die km richtig genossen (siehe Detlef aus Werder). Es war ein Riesenspaß, hier und da auch ein paar begeisterte Zuschauer, an jeder Abzweigung bitterlich frierende Polizisten, die nicht mehr lächeln konnten, alle 2,5 km ein Verpflegungspunkt mit ausreichend Helfern ohne Gedränge und ohne Wartezeiten, und … auf der gesamten Strecke alle 1 bis 2 km jeweils zwei Saniposten mit Eisspray. Da wurde gesprüht was das Zeug hält. Ich habe noch nie so viele  Läufer/Innen gesehen, die Eisflocken auf ihre Beine wollten. Und weil ich das auch erleben wollte, habe ich mir sogar einmal das Knie und die Oberschenkenkel weiß machen lassen. Geholfen hat es glaube ich nicht.

 

 Aber es war wirklich alles sehr gut organisiert !!

So etwa bei km 28 wurde mir bewusst, dass ich eigentlich gar nicht schlecht in der Zeit liege und unter 4:30 h bleiben könnte, wenn ich einigermaßen sauber über den letzten Anstieg komme – der schlaucht nochmal. Ich kam! …. Und nun wollte ich nicht mehr nur genießen. Also bin ich gerannt so gut ich (noch) konnte. Der Schluss war dann schon etwas schmerzhaft. Aber es geht Richtung Athen nur noch runter, die Häuser werden dichter – damit die Zuschauer auch – Bravo-Rufe, Applaus, also alles das, was den abgekämpften Läufer zum Schluss (meistens jedenfalls) begeistert ins Ziel treibt. Und so trieb es mich auch ins Stadion – Zielzeit netto 4:24:?? h, also knapp unter 4:25 h. Beinahe kamen mir die Tränen vor Freude. Aber die wären wahrscheinlich festgefroren, so zog es dort. Also schnell durchs Ziel, kurz gefreut und gejubelt, Medaille liebevoll umgehängt, genauso liebevoll mit Alufolie umhüllt und ab zu den wartenden, gut positionierten Wagen mit den Kleiderbeuteln. 

Alle aus der Gruppe haben gefinisht in Zeiten von 3:13 h bis 4:32 h. Alle konnten sich herzlich füreinander und miteinander freuen. Von 98 Läuferinnen in meiner Altersklasse bin ich 34. geworden und damit total zufrieden. Für mich waren es ein Superlauf und eine Superreise!!

 

 Und nun sitze ich mit einer dicken Erkältung zu Hause und freue mich  schon auf den nächsten Lauf mit meinen lieben Lauffrauen und- männern vom SC Borussia, denen ich wieder einmal ein erstklassiges Erlebnis zu verdanken habe.